Ursprung und geschichtliche Nachrichten der Familie von Bassewitz


Wappen der Familie von Bassewitz Ob die ersten geschichtlich erfaßbaren Bassewitze deutscher oder wendischer Herkunft waren, läßt sich beim besten Willen nicht eindeutig feststellen.

Nachdem die anfänglich germanischen Bewohner Mecklenburgs freiwillig abgewandert waren, hatten etwa vom Jahre 600 ab wendische Stämme sich auf mecklenburgischem Boden ausgebreitet, bis ein halbes Jahrtausend später erneut die Welle deutscher, christlicher Eroberer und Kolonisatoren ins ostelbische Gebiet vordrang. Das politische und kulturelle Übergewicht neigte sich seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dank der Erfolge Heinrichs des Löwen der deutschen Seite zu. Im Jahre 1170 wurde Mecklenburg, während der wendische Obotritenfürst Pribislaw weiterregierte, Bestandteil des Deutschen Reiches. Die Bischöfe von Ratzeburg und Schwerin förderten die Ausbreitung des Christentums. Das erste Kloster entstand 1170 in Doberan. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts war der slawische(= wendische) und heidnische politische Widerstand gebrochen. Reste slawisch-wendischen Eigenbewußtseins verschwanden im 13. Jahrhundert. Schon im 14. Jh. war die wendische Sprache in Mecklenburg auf kleine Reste beschränkt.

Eine Anzahl wendischer Adliger überstanden den Wechsel und paßten sich der neuen überlegenen christlich-deutschen Lebensform an. Sie nannten sich vielfach nach ihren Stammlehen und nahmen deutsche Taufnamen an, verbanden sich auch wohl mit deutschen Familien. Möglicherweise haben also mecklenburgische Adelsfamilien einzelne wendische Ahnen, Wahrscheinlich sind ihre Vorfahren aber aus Niedersachsen, Westfalen, Holstein, den Gebieten südlich von Mecklenburg und vielleicht auch aus Dänemark nach Mecklenburg eingewandert. Deutsche Ritter wurden üblicherweise mit Land in Mecklenburg belehnt und brachten Gefolgsleute mit. Seit Anfang des 15. Jh. sind zahlreiche Adelsfamilien in Mecklenburg urkundlich erwiesen. Das Land war damals agrarisch-feudalistisch organisiert.

Angehörige der Familie Bassewitz tauchen seit Anfang des 14. Jh. in mecklenburgischen Urkunden auf. Dies besagt nicht, daß sie nicht schon vorher angesessen gewesen seien, nur sind diesbezügliche Urkunden nicht erhalten geblieben. Da die Bassewitze um jene Zeit schon ein verbreitetes und angesehenes Geschlecht auf reichlichem Grundbesitz waren, mögen sie wohl schon eine Zeitlang im Lande ansässig gewesen sein. Ein Teil ihrer Güter lag damals wie in den folgenden Jahrhunderten im Umkreis von Wismar, andere im Umkreis von Rostock. Die Urkunden ergeben ein lückenhaftes Bild, Sie betreffen vorwiegend gewisse Rechtsgeschäfte wie Belehnung, Kauf, Pacht oder Verpfändung von ländlichem Grundbesitz, Erbteilungen oder Zeugen bei diesen Vorgängen. Aus spärlichen Angaben von Vater und Sohn, Brüdern oder Vettern haben die Familienforscher dann mühsam die Bausteine für die älteste Stammreihe zusammengetragen. Gewisse Unsicherheiten mußten bei aller Gewissenhaftigkeit durch Kombinationen auszugleichen gesucht werden.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts, etwa 1355 in der 4. Generation des vorbezeichneten Stammbaums haben sich die in Mecklenburg angesessenen Bassewitze in die zwei schon mehrfach erwähnten Hauptlinien geteilt; für deren gemeinsamen Ursprung nicht nur das gemeinsame Wappen spricht, sondern auch andere Umstände wie Erbverträge nachgewiesen werden können. Die Wendische Hauptlinie hatte im Bereich des historisch so benannten "Wendischen Fürstentums", d.h. des ostmecklenburgischen Landesteils, Grundbesitz, die Mecklenburgische Hauptlinie im Gebiet des eigentlichen "Herzogtums Mecklenburg"; nämlich in Hohenluckow bei Bützow sowie südwestlich und südlich von Wismar. Seit dem 15. Jh, werden die Urkunden reichlicher.

Geschichtlich nachhaltigen Eindruck hinterließ ein Fehdezug, den ein Ritter Bassewitz im Jahre 1411 gegen die Stadt Kyritz in der Prignitz unternahm! Sein Name wird als "Kurt" überliefert; da aber dieser Name im Stammbaum nicht vorkommt, hat er wohl Gerd gehießen, doch welcher es war, ist nicht klar feststellbar. Er wollte mit einer Schar von Kriegsmannen das idyllisch an der Jäglitz - nicht an der Knatter! -, gelegene, befestigte Städtchen Kyritz erobern. Unterhalb der Stadtmauer ließ er einen Gang graben, doch bemerkten die Stadtbewohner diese Kriegslist rechtzeitig und erschlugen den Ritter, als er im Stadtgebiet an die Erdoberfläche kam. Die Geschichte ist im 19. Jahrhundert sogar einmal zu einem Schauspiel "Kurt v Bassewitz oder Das gerettete Kyritz" gestaltet worden! Seit dem Ereignis bis in die Zeit des zweiten Weltkriegs, also länger als ein halbes Jahrtausend, feierten der Magistrat und die Bevölkerung von Kyritz alljährlich zur Erinnerung an die Errettung ihrer Stadt ein "Bassewitz - Fest" mit Dankgottesdienst. Herkömmlicherweise wurden auch Brötchen an die Stadteinwohner frei verteilt. Die Rüstung des Ritters Bassewitz wurde im Kyritzer Rathaus aufbewahrt. Auch gegenwärtig, in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, fährt man fort, das Fest zu feiern, mit entsprechend neu gesetzten politischen Akzenten. Daß der bewußte Ritter aus Mecklenburg kam und zur Familie gehörte, unterliegt keinem Zweifel. [Anmerkung]

Dem Brauch der Zeit gemäß stellten die Lehnsritter ihrem Lehnsherrn auf Anforderung ein bewaffnetes Aufgebot zur Verfügung. Von Fall zu Fall schlossen sie sich auch zu gemeinsamen Unternehmungen zusammen. Im Jahre 1506 z.B. stellten die Bassewitze zwanzig "Rösser und Reisige" zu einer Fehde gegen Lübeck auf. Urkundlich erwähnt werden dabei: "Hinrich v.Bassewitz zu Bulow, Lütke v. Bassewitz zu Dalwitz und Maslow, Barthold v. Basse, Gerd v. Basse zu Thorstorf, Thomas v. Basse zu Levetzow". Es gab in jenem Jahr (laut Boll) 170 adlige Geschlechter in Mecklenburg, die dem Herzog - seit 1348 trug er den Titel - im Falle eines Aufgebots insgesamt 1300 Ritterpferde stellen mußten,

Einen Markstein in der Geschichte Mecklenburgs bildet die am 1.8.1525 unterzeichnete "Landes - Union", in der sich die mecklenburgischen Landstände - nämlich adlige Ritterschaft, Städte und Geistlichkeit -zur Wahrung ihrer verfassungsmäßigen oder herkömmlichen Rechte zusammenschlossen. In diesem Dokument sind acht Bassewitze verzeichnet, u.a. die auf Hohenluckow, Levetzow, Thorsdorf, Dalwitz und Lühburg.

Da das Schicksal der Familie natürlich immer mit dem der Heimat verbunden war, ist ein Blick auf die Zeitgeschehnisse gut. Die Reformation breitete sich in Mecklenburg rasch aus. Im Jahre 1532 bekannte sich Herzog Heinrich zur lutherischen Lehre und 1549 erklärte sich der Landtag von Sternberg in gleichem Sinne. Der Einfluß der Geistlichkeit verblaßte damit ganz. Im Jahre 1572 wurden die Klöster Dobbertin, Malchow und Ribnitz mit reichem Grundbesitz den mecklenburgischen Ständen übergeben. Um jene Zeit gab es (laut Boll) in Mecklenburg 150 bis 140 Adelsgeschlechter, die man fortan als "alt - eingeboren" bezeichnete. Sie genossen gewisse, wenn auch bescheidene Vorrechte gegenüber den später ins Land gekommenen und "rezipierten" adligen Familien, - eine Unterscheidung, die bis ins 19. Jahrhundert, wenn auch abgeschwächt, fortbestand.

Der Bestand der Adelsgeschlechter hat, seit man genaue Unterlagen kennt, ständig gewechselt; manche Familien starben aus, andere büßten ihren Grundbesitz ein, einige wanderten ab, zahlreiche kamen hinzu. Eine Statistik von 1590 zählt in Mecklenburg 463 Lehnsgüter auf, die 470 Familien und 141 Adelsgeschlechtern gehörten. Die Bülows hatten damals 20, die Blüchers 10, die Maltzans 9, die Bassewitze und Oertzens je sechs Güter. Manche Güter waren klein und zersplittert und schlecht bewirtschaftet, mit wenig zur Frohn verfügbaren Arbeitskräften. Einige Adlige, die nicht in der Landwirtschaft oder in Kriegsdiensten tätig waren, wurden auch Räte oder "Vögte" des Landesherrn. Krisen gab es in allen Jahrhunderten infolge von Fehden und Kriegen, Schlechtwetter und Seuchen, aber auch durch Verschwendung.

Wirtschaftlich war die Landwirtschaft weitgehend die Existenzgrundlage. Bei der Vermögensberechnung bewertete man: Grundbesitz, Inventar, Hausgeräte, Rechte (z.B. Renten, Abgaben, Nutzungen und Dienste), Bargeld, Schmuck, Kleidung, Leinwand usw.

Leider ist es schwer, sich bei gelegentlich genannten Geldwerten der früheren Zeiten eine Vorstellung von der Kaufkraft zu machen. "Eine Mark lübisch" war eine Rechnungseinheit, deren Wert im Laufe des 15. bis 16. Jahrhunderts schwankte, unterteilt in Schillinge und "Pfenninge". Die Warenpreise standen zueinander in anderem Verhältnis als heute; Vieh und Getreide waren billig, Metalle - auch Eisen, Zinn und Kupfer - teuer. Die und die "Thaler", seit dem 16. Jahrhundert, geben nur ungefähre Wertmaßstäbe an. Der Geldumlauf je Kopf der Bevölkerung war sehr gering. Der Lebenszuschnitt selbst der wohlhabenderen Kreise scheint meist recht bescheiden gewesen zu sein.

Noch ein Wort zum Sprachlichen: zu keiner Zeit gab es etwas Schriftliches in wendischer Sprache. Die deutschen Einwanderer brachten im 12. und 13. Jahrhundert ihre mittel-niederdeutsche Sprache mit, die seit dem 14. Jh. in Urkunden erscheint. Seit dem 16 Jh. setzte sich allmählich das Hochdeutsche durch. Kirchenurkunden, z.B. Schenkungen, waren gewöhnlich lateinisch abgefaßt. Die französische Sprache gewann seit dem 16. Jh. Raum bei Hofe, seit dem 18. Jh auch in mecklenburgischen Adelskreisen.

Man wird sich vielleicht wundern, daß in frühen Urkunden oft kein Adelsprädikat vorkommt. Da heißt es z.B. Johann Bassewitze oder Claus Batze oder Hinnerk Stralendorpe usw. Das "von" kam erst eigentlich im 30jährigen Krieg als wesentliche Adelsbezeichnung auf, wurde in einigen Fällen von Familien erst ab dem 18. Jh. gebraucht. In internen Unterhaltungen wenden Adelsfamilien ja auch heute vielfach keine Adelstitel an.

Aus der Gesamtgeschichte der mecklenburgischen Heimat und der dortigen Adelsfamilien sollen hier nur noch wenige Punkte erwähnt werden: Notzeiten brachten der 30 jährige Krieg, der die Bevölkerung des Landes von 300.000 auf 50.000 verminderte und schlimme Verwüstungen hinterließ, der Siebenjährige Krieg, der Mecklenburg wirtschaftlich schädigte, die Franzosenzeit usw. Eine Verfassungsurkunde, die bis 1918 galt, war der "Landesgrundgesetzliche Erbvergleich". Ihn unterzeichneten am 15.4.1755 in Rostock noch neun Bassewitze und zwar vier von der mecklenburgischen und fünf von der wendischen Linie. Als diese landständische Verfassung von 530 §§ zustande kam, gab es in Mecklenburg noch 80 "alt - eingeborene" Familien, die begütert waren und damit zur "Ritterschaft" gehörten. 100 Jahre später, 1855, gab es deren nur noch 44. Aus Chroniken aus dem 18. und 19. Jahrhundert kann man feststellen, wie rasch und häufig damals Güter die Eigentümer wechselten. Der ländliche Grundbesitz der mecklenburgischen Linie verringerte sich, während die Begüterung der wendischen Linie zunahm. Auf Letztere bezieht sich ein Satz in der Geschichte von Boll, 1856, 2.Band, S 461, von den florierenden uralten Geschlechtern der - Bassewitz - und deren geschmackvollen Landsitzen in der Umgebung des Malchiner Sees.

Nach dem mecklenburgischen "Staatskalender" von 1912 gab es im Lande 1023 Güter. Davon waren 77 Eigentum der Dynastie. 276 adlige Gutsbesitzer hatten 443 Güter (25 fürstliche, 100 gräfliche, 318 freiherrliche und adlige Güter), während 321 bürgerliche Gutsbesitzer 368 Güter besaßen. Nach 1945 sind auch alle Grundbücher über vormaligen Gutsbesitz in Mecklenburg vernichtet worden.



Aus

Beiträge zur Familiengeschichte
der adligen und gräflichen Familie
von Bassewitz
1962


Zusammengestellt von Hans Joachim von Bassewitz, 1999 gescannt und vorbereitet von Kai von Bassewitz und HTMLified von mir.


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