Beginn der Geschichte Mecklenburgs


Ob die ersten geschichtlich erfaßbaren Bassewitzen deutscher oder wendischer Herkunft waren, läßt sich nicht eindeutig feststellen. Nachdem die anfänglich germanische Bevölkerung Mecklenburgs abgewandert war, hatten sich etwa ab dem siebten Jahrhundert wendische Stämme auf mecklenburgischem Boden ausgebreitet. Die Stammesfürsten vereinten die Führer einzelner Teilstämme unter sich, die wiederum den wendischen Adligen übergeordnet waren. Diese errichteten jeweils für sich und ihre Gefolgsleute mächtige Burgen aus Erdwällen und Holzpallisaden, die voneinander selten mehr als 30 km entfernt lagen und so gemeinsam ein landesumspannendes Netz bildeten. Der weitaus größere Teil der Bevölkerung lebte allerdings in Blockhütten auf dem Land und war dem jeweilig nächstgelegenen Burgherren zur Abgabe von Nahrungsmitteln verpflichtet. Es existierte also ein gegliedertes System einer Herrschaftsorganisation, die ihrem Wesen nach eine Herrschaft des burggesessenen Adels über die Mehrheit der bäuerlichen Bevölkerung darstellte.

Seit dem zehnten Jahrhundert fanden von deutscher Seite eine Reihe mehrerer zurückgeschlagener Eroberungs- und Missionierungsversuche statt. Doch mit den später christianisierten Königreichen Polen und Dänemark sahen sich die polytheistischen Wenden nach und nach an all ihren Grenzen einer Übermacht gegenüber, und schließlich gelang es unter der Herrschaft der Ottonen einer Welle deutscher, christlicher Invasoren und Kolonisten ins ostelbische Gebiet vorzudringen. Das politische und kulturelle Übergewicht neigte sich seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dank der Erfolge des sächsischen Herzogs Heinrichs des Löwen der deutschen Seite zu, mußten doch die Wenden zum Beispiel von ihrer kollektiven Land- und Viehnutzung ablassen, um sich die fortgeschritteneren und ertragreicheren Methoden der deutschen Landwirtschaft anzueignen, die die Versorgung und den Handel förderten und somit letztlich den Grundstein für ein aufkeimendes Städtewesen legten, für das die Grundlagen im christianisierten Europa bereits seit Jahrhunderten geschaffen waren.

Im Jahre 1170 wurde Mecklenburg, während der wendische Obotritenfürst Pribislaw weiterregierte, Bestandteil des Deutschen Reiches. Die Bischöfe von Schwerin und Ratzeburg förderten die Ausbreitung des Christentums. Das erste Kloster entstand 1170 in Doberan. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts war der slawische und heidnische politische Widerstand gebrochen. Die Reste slawisch-wendischen Eigenbewußtseins verschwanden während des 13. Jahrhunderts.

Eine Anzahl wendischer Adliger überstand den Wechsel und paßte sich der neuen überlegenen christlich-deutschen Lebensform an. Sie nannten sich vielfach nach ihren Stammlehen und nahmen deutsche Taufnamen an, auch verbanden sie sich wohl mit deutschen Familien. Möglicherweise haben also einige mecklenburgische Adelsfamilien einzelne wendische Ahnen. Überwiegend dürften ihre Vorfahren aber aus Niedersachsen, Westphalen, Holstein, den Gebieten südlich von Mecklenburg und vielleicht auch aus Dänemark eingewandert sein, welches die mecklenburgischen Teilfürstentümer nach einer Eroberung der Insel Rügen durch den dänischen König Waldemar I. im Jahr 1168, mit dem Ziel, die Seeräuberei der slawischen Küstenbewohner zu bekämpfen, in der Zeit zwischen 1184 und 1227 in eine förmliche Lehnsabhängigkeit brachte. Mit einer Entscheidungsschlacht führte die Grafschaft Schwerin jedoch schließlich den Zusammenbruch der dänischen Hoheit über Norddeutschland herbei. Seit dem Ende der dänischen Herrschaft standen die obodritischen Länder wieder unter sächsischer Lehnshoheit, doch durch die Erbfolge bedingt, erlebte der eben erst entstandene Staat Mecklenburg in der sogenannten ersten Hauptlandesteilung im Jahr 1229 den Höhepunkt seiner territorialen Zersplitterung und zerfiel neben den Bistümern Ratzeburg und Schwerin sowie die Grafschaften Schwerin und Dannenberg in die vier Teilherrschaften Mecklenburg, Rostock, Werle und Parchim.

Erst im Laufe der nächsten zweieinhalb Jahrhunderte voll strittiger Auseinandersetzungen beerbte die nach der Burg Mecklenburg benannte Linie die Verwandten und prägte damit dem Land ihren Namen auf. Das Land war damals agrarisch-feudalistisch organisiert. Deutsche Ritter wurden üblicherweise mit Land in Mecklenburg belehnt und brachten Gefolgsleute mit. Durch den Landbesitz, der sich häufig an den altwendischen Burgbezirken maß, nahmen sie neben den Landesherren, der Geistlichkeit und den Städten eine vergleichsweise wichtige Rolle ein und übten entsprechenden Einfluß auf die Landespolitik aus. Damit fiel den Mecklenburgischen Adligen langfristig ein Status zu, den es so nirgendwo sonst im deutschen Reich gegeben hat. So taten sich dann auch die landesinneren Städte schwer, sich gegenüber dem Adel zu behaupten, was deren Entwicklung verzögerte.

An der Ostseeküste hingegen nahmen die Dinge mit der Gründung der Stadt Rostock und des ihr verliehenen Lübischen Rechts im Jahr 1218 ihren Lauf. Rostock nahm später zusammen mit Wismar gegenüber den übrigen mecklenburgischen Städten eine Vormachtstellung ein. Sie begründeten später mit Lübeck ein Bündnis, das zur Verteidigung gegen Seeräuber ins Leben gerufen wurde. Aus diesem Bündnis entwickelte sich schließlich mit Hamburg, Stralsund und Lüneburg der wendische Städtebund, dem in der später gegründeten Hanse ein tragende Rolle zukam.

Seit Anfang des 13. Jahrhunderts sind zahlreiche Adelsfamilien in Mecklenburg urkundlich erwiesen. Dabei gilt es zu bedenken, daß es wendische Urkunden nie gegeben hat, da die Wenden schriftlos waren. Die ersten deutschen Urkunden stammen aus dem westlichen Teil Mecklenburgs, von wo aus die deutsche Besiedlung und Christianisierung ihren Ausgang nahm. Kirchenurkunden waren gewöhnlich lateinisch abgefaßt, andere Dokumente erschienen in zunehmendem Ausmaß in mittelniederdeutscher Sprache.




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