Bassewitze in schwedischen Diensten


Wappen der Familie von Bassewitz Daß mehrere Angehörige der Familie v. Bassewitz zur Begleitung des mecklenburgischen Herzogs und schwedischen Königs Albrecht III. gehörten, geht auch aus einigen Stellen im "Mecklenburgischen Urkundenbuch" hervor; Band 15, Nr. 9426, enthält eine vom 22. - 24.3.1365 datierte Abrechnung über die Vogtei in Nyköping (südlich Stockholm), die u.a. eine Unterschrift "BASSEWISSEN" trägt. Band 16, Kr. 9947, ist eine Urkunde vom 21.7.1369, durch die sich Vicke Moltke und Andere verpflichten, das Schloß Hälsingborg (nördlich Malmö an der Küste) den Herzögen von Mecklenburg und den Hanseaten zu übergeben. Eine der Unterschriften lautet: " GERT BASSEWITZEN".

Band 16, Nr, 9980, datiert vom 11.11.1364 in Langren Kirche, besagt, daß Erich Karlson, Präfekt auf Öland, und Volrad de Sylaw, König Albrechts Kämmerer, sich verpflichten, nachfolgenden Pfingsten an JOHANN BASSEWITZ 120 Mark Silber auszuzahlen. (Wie auf Seite 14/15 dieser Ausführungen erwähnt, war "eine Mark Silber", ursprünglich wohl ein Pfund Silber, in damaliger Zeit eine Rechnungseinheit für eine verhältnismäßig hohe Summe, deren Wert und Kaufkraft mit heutigem Gelde nur schwerlich verglichen werden kann).

Notizen über den schwedischen General Ulrich Karl (II.) v. Bassewitz, vgl. im Folgenden Seite 24, befinden sich u.a. in den Büchern; Baier, Stralsundische Geschichten, Stralsund 1902, S. 94-95. Ferner in: Lundblatt - v. Jensen, Geschichte Karls XII. von Schweden, 1840, betr. Kriegsereignisse 1711 - 1715. Seiten 254, 255, 258, 258, 274, 285, 448. Ferner im Buch; Nordberg, Leben Karls XII., Königs in Schweden, 5 Bände, um 1750 erschienen. Biographische Notizen über Ulrich Karl v. Bassewitz am Schluß des 5. Bandes, die Schlacht bei Gadebusch in Band 2.

In den "Jahrbüchern des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde", Band 101 und 102, 1957 & 1958, ist ein Beitrag von Tessin, Wismars schwedische Regimenter im Nordischen Kriege. In Band 2, S. 215 u.folg. über das Wismarsche Dragoner-Regt. des Obristen Bassewitz. Dann gibt es noch ein dänisches amtliches Quellenwerk: "Bidrag til den Nordiske Krigs Historie üdgivne af Generalsstaben, Band 4; De Nordiske Allieredes Kamp med Magnus Stenbock" (bearbeitet von Tuxen und Witte-Slidelin). Kopenhagen & Christiania, 1910." Seite 172 und folgende.

Zwischen unserer mecklenburgischen Stammheimat und Schweden bestanden immer rege Beziehungen. Im Jahre 1365 wurde Herzog Albrecht III. von Mecklenburg sogar König von Schweden. Zu seinen Gefährten gehörte auch ein Bassewitz. Eine Urkunde vom 1. November 1397 (abgedruckt im Mecklenburgischen Urkundenbuch XXIII, Nr. 13205) besagt, daß der König Johann und Bernd Bassewitzen mit Gutsbesitz belehnt.

Über die mecklenburgischen Häfen Wismar und Rostock wickelte sich namentlich zu Zeiten, der Hanse ein lebhafter Handel mit Schweden ab. Als die mecklenburgischen Herzöge (zwei Brüder regierten gleichzeitig) im 50jährigen Kriege 1628 Wallenstein weichen mußten, verhalf König Gustaf Adolf von Schweden ihnen 1651 wieder zur Regierung. Mecklenburgs Versuch aber, sich 1655 dem Kriege zu entziehen, führte dazu, daß es, besonders 1657, von beiden kriegführenden Seiten fürchterlich verwüstet wurde. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde Wismar mit den Ämtern Neukloster und Pol schwedisch. Erst im Jahre 1805 kehrte dieser Landesteil, zunächst pfandweise, wieder an Mecklenburg zurück.

Da, wie schon erwähnt, das Gut Schönhof und andere Bassewitz'sche Güter der "Mecklenburgischen Hauptlinie" im Umkreis von Wismar lagen, ergab es sich wohl leicht, daß mehrere Angehörige dieser Linie seit etwa 1700 auch in schwedische Militärdienste traten. Zur Erläuterung möge hier ein Auszug aus dem Familienstammbaum folgen:

11. Generation Ulrich Karl I. v. Bassewitz, 1601 - 1666, auf Schönhof
12. Gen. Detlof v.B. auf Kl.Walmsdorf
dän. Rittmeister,
1650 - 1685
JOACHIM III. (Jochen)
auf Schönhof, schwed.
Oberstlt., 1656 -1746
13. Gen. ULRICH KARL II.
schwed. General,
1679 - 1715
ADOLF FRIEDRICH
schwed. Oberst,
gr.brit. Gesandter
1681 - 1740
DETLOF HANS auf
Schönh. & Hohenl.
schwed. Oberstleutn.
1688 - 1764
14. Gen.   ULRICH KARL III. ADOLF
auf Schönhof, Schimm usw.
1729 - 98
15. Gen.   Joachim V. Adolf
auf Schönhof, Landrat,
1774 - 1838,
schwed. Nordsternorden
ULRICH KARL IV. ADOLF
auf Schimm & Tarzow,
schwed. Oberstleutn.
1781 - 1866.

Die in der 12. und 13. Gen. stehenden "Jochen" und "Detlof Hans" sind, wie auch schon erwähnt war, direkte Vorfahren der heute lebenden (adligen) Familienangehörigen. Joachim III. (Jochen) diente anfänglich in Truppen verschiedener deutscher Landesherren und wurde dann schwedischer Oberstleutnant, später war er Klosterhauptmann von Dobbertin. Wir haben noch sein aus dem Jahre 1705 stammendes Ölporträt in Lebensgröße. Es zeigt ein schmales Gesicht mit dunklen Augen und einer langwallenden dunklen Allongeperücke. Am Halsrande des Brustküraß liest man den Spruch "Tout avec le temps" (dies war eigentlich eine Hohenlohe'sche Ordensdevise).

Auch sein Sohn, der schon mehrfach genannte Detlof Hans, 1688 - 1764, trat 1715 als Major in schwedische Dienste, nachdem er zuvor in bayreuthischen Diensten gestanden hatte Im Jahre 1717 wurde er gleichfalls Oberstleutnant. Später nahm er seinen Abschied, um sich der Bewirtschaftung seiner Güter Schönhof, Hohenluckow und Neuhof zu widmen.

Ein älterer Bruder des vorgenannten Joachim III. (Jochen) war Detlof v. Bassewitz auf Klein-Walmsdorf, einem Nachbargut von Schönhof, 1650 - 1685. Nachdem er 1671 - 74 in Straßburg, Paris und London studiert hatte, trat er 1676 in dänische Dienste und nahm einige Zeit darauf als Rittmeister seinen Abschied. Genannter Detlof hatte zwei Söhne, die sich in schwedischen Kriegsdiensten auszeichneten. Sie stehen in der 13. Generation des Stammbaums: Ulrich Karl II und Adolf Friedrich.

Ulrich Karl (II.) v. Bassewitz trat in schwedischen Militärdienst und folgte König Karl XII. bei dem historischen Zug nach Bender, Im Laufe des Nordischen Krieges nahm er dann teil an den Kämpfen der Schweden gegen die Dänen auf mecklenburgischem Boden. Als Oberst war er bei den Belagerungen von Wismar und Stralsund zugegen. Als Generalmajor unter dem Kommando des Generals Graf Stenbook trug er dazu bei, in der Schlacht bei Gadebusch am 20.12.1712 den Sieg der verbündeten Schweden und Pommern über die gegnerischen Dänen und Sachsen zu erringen. Insgesamt sollen da 30.000 Mann gefochten haben. Ein russisches Expeditionskorps war nicht rechtzeitig zur Stelle, um die Niederlage der Dänen zu mildern. Der Sieg bahnte den Schweden den Weg zur Einnahme von Altona. Bei der Landung schwedischer und mit ihnen verbündeter Truppen auf der Insel Rügen fiel General Ulrich Karl, 56 jährig, am 16.12.1715 bei Stresow. Über seine Persönlichkeit und Tätigkeit gibt es eine Reihe historischer Zeugnisse in Büchern und Zeitschriften, die auch heute noch erreichbar sind.

Ulrich Karl, der nicht verheiratet war, vererbte sein Vermögen von 60 000 Talern seinem (vorerwähnten) Vetter Detlof Hans, der dank dieser Mittel später von seinem entfernteren Vetter Christof oder dessen Erben das alte Familiengut, Hohenluckow zurückkaufte.

Ulrich Karls Bruder Adolf Friedrich v. B. auf Neuhof, 1681 - 1740, diente ebenfalls in der schwedischen Armee, zeitweilig im Regiment seines Bruders, bis zum Range eines Obersten. Nachdem König Karl XII, gestorben war und der Nordische Krieg sich dem Ende näherte, übernahm er die Herbeiführung des Friedens zwischen Schweden und Großbritannien. Er trat deshalb 1719 in britische diplomatische Dienste über und wurde als "Königlich großbritannisch-braunschweig-lüneburgischer Envoyé extraordinaire" nach Stockholm geschickt, wo er im Dezember 1719 den Friedensvertrag unterzeichnete. Damit erhielt Hannover die bis dahin zu Schweden gehörenden Landesteile an der Weser. Als Belohnung erhielt Adolf Friedrich v. B. vom König von England eine sogenannte Wappenvermehrung im Jahre 1720: die Leoparden des englischen Königswappens durften als Schildhalter das Bassewitz'sche Eberwappenschild flankieren! Nachdem Adolf Friedrich, der gleich seinem vorgenannten Bruder unverheiratet blieb, im Jahre 1740 verstorben war, scheinen keine Erben mehr dies "vermehrte" oder "verbesserte" Wappen, und auch nicht den von den beiden Brüdern geführten schwedischen Freiherrntitel fortgeführt zu haben.

Ein Enkel von Detlof Hans und ein Sohn von Ulrich Karl III. Adolf (1729-98) war der in der 15. Generation verzeichnete Ulrich Karl IV Adolf, 1781 - 1866. Er trat 1795 als Fähnrich in ein in Stralsund garnisoniertes deutsch-schwedisches Regiment ein, wurde 1796 als Leutnant nach Stockholm versetzt, studierte 1797 in Upsala, wurde 1801 Kapitän und Stabsadjutant, 1805 Major und Oberadjutant des letzten Schwedenkönigs aus dem Hause Wasa. 1806-07 fand er in Deutschland Verwendung. Nach dem Waffenstillstand, nahm er, mit dem schwedischen Sohwertorden ausgezeichnet, seinen Abschied, um ab 1809 seine Güter Sohimm und Tarzow zu bewirtschaften, die er 1841 zu einem Fideikommiß machte. Sein letzter schwedischer Dienstgrad war Oberstleutnant. Im Jahre 1861 wurde er Ehrenbürger von Wismar. In der schönen großen Bibliothek des von ihm baulich erweiterten Herrenhauses von Sohimm hielten manche in Leder gebundenen schwedischen Bücherbände noch lange die Erinnerung an diese familiengeschichtlich beachtliche Verbindung mit Schweden wach.

Ein Bruder des Letztgenannten, Joachim (V.) Adolf v. B. auf Schönhof, 1774 - 1858, seit 1818 auf diesem Familienstammgut, hatte während des napoleonischen Krieges, als er in Neustrelitz beamtet war, sich um die schwedischen Truppen verdient gemacht und dafür den schwedischen Kordsternorden erhalten. Sein Wappen auf einem Porzellanservice jener Zeit zeigte die Verzierung mit dem umgehängten Nordsternorden. Bei den - inzwischen vernichteten - Familienpapieren befand sich u.a. ein Schreiben des Herzogs Christian Ludwig von Mecklenburg vom 30. Juni 1684 an den auf der vorigen Seite bezeichneten dänischen Rittmeister Detlof v. Bassewitz, der für die mecklenburgische Regierung auch diplomatische Aufträge ausführte. Der Brief enthält einen Auftrag, nach Celle zu reisen. Wir bringen eine Abschrift, obwohl das Dokument keine historische Wichtigkeit hat, nur als Stilprobe jener Zeit. Der Brief trug ein aufgepreßtes Siegel, Auf dem äußeren Umschlag des Bogens stand die Adresse: Dem Ehrbaren, Unserm lieben getreuen Rittmeister, Detloff Baßewitzen zu Walmstorff.

Der Text lautet:

CHRISTIAN LUDWIG von GOTTES GNADEN Hertzog zu Mecklenburg
Ehrbar lieber getreuer, On Wir zwar von Unserm Cantzler und anwesenden Deputierten, E.E. Ritter- und Landschafft zu Rostock, auff das von Unser Regierung bey Deiner neulichen anwesenheit alhie abgelaßenes Schreiben noch keine Resolution und antwort bekommen, So haben Wir dennoch der nothdurfft zu seyn erachtet, Deine Persohn nacher Zell zu schicken, Übersenden Dir derowegen beygehende Instruction, mit gnädigstem befehl, daß du dich alsofort auf den Weg nacher Zell machen, und deine reise also anstellen, damit du übermorgen dar seyn mögest, Zu deiner reise, wie nicht weniger fortbringung deiner Persohn gehen hiebey 50 Thlr, und ein Befehl an den Haubtman lepeln. Schließlichen wirstu alles, was wir dir committiret, woll zu mesnagiren und zu sollicitiren wißen, damit wir auf beyde Puncte eine Cathegorische und zulängliche resolution ehist bekommen mögen, Und weiln dir dieses alles, so in Instructione enthalten, zur gnüge von Selbsten bekandt, der Zustand des Landes dir auch unverholen, alß Kanstu desto beßer des CreyßObristen Lbd., alß auch denen Ministris es repraesentiren, Wir verlaßen Unß hierzu sicherlich, und wirstu deine reise also anstellen, damit du mit dem fordersahnbsten wieder alhier seyn, relation abstaten, und Wir Unß nebst Unser Regierung darnach richten können, An diesem allen verrichtestu Uhsern gnädigsten willen und meinung, Datum auff Unser Residentz und Vestung Schwerin den 30ten Junii Ao; 1684.
"Ad mandatum Serenissimi Celsissimi proprium" Fürstl. Mecklenbg. verordnete Regierung daselbst


Aus

Beiträge zur Familiengeschichte
der adligen und gräflichen Familie
von Bassewitz
1962


Zusammengestellt von Hans Joachim von Bassewitz, im Jahr 2000 gescannt und vorbereitet von Kai von Bassewitz und HTMLified von mir.


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